Kariöse Zähne schaden dem Ungeborenen

 

Kariöse Zähne schaden dem Ungeborenen

Eine alte Volksweisheit besagt, jedes Kind koste die Mutter einen Zahn. Das stimmt zwar nicht, denn es gibt keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Schwangerschaft und Karies. Aber, so die Empfehlung von Professor Hüsamettin Günay von der Medizinischen Hochschule Hannover, Schwangere und junge Mütter sollten dennoch auf ihre Zähne achten.

«Durch die Hormonumstellung verändert sich der Körper der werdenden Mutter und das hat auch Auswirkungen auf Zähne und Zahnfleisch», erklärt der stellvertretende Direktor der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventive Zahnmedizin. Das Bindegewebe lockert sich auf, Blutgefäße können erweitert sein, das Zahnfleisch schwillt an und Mikroorganismen finden leichteren Zugang. «Dies führt zu Entzündungen, die sich in häufigerem Zahnfleischbluten zeigen», sagt Günay. Lieg

t bereits eine Zahnfleischentzündung vor, verstärkt sich diese in der Schwangerschaft. Mediziner sprechen dann von einer Schangerschaftsgingivitis.

Durch häufigeres Erbrechen in der Frühschwangerschaft verändert sich außerdem der ph-Wert des Speichels. Er wird saurer und greift den Zahnschmelz an. «Die direkte Einwirkung der Magensäure ist sogar in der Lage den Zahnschmelz teilweise aufzulösen», sagt der Zahnarzt.

Und was das Ernährungsverhalten angeht, neigen viele Frauen während der gesamten neun Monate, vermehrt aber zum Ende der Schwangerschaft, zum häufigeren Verzehr kleinerer, zuckerhaltiger Mahlzeiten. Es bilden sich leichter Beläge, die den Zahnschmelz angreifen oder unter dem Zahnfleisch zu Entzündungen führen.

Zahlreiche Studien zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankungen, also Erkrankungen des Zahnhalteapparates, und einer Frühgeburt oder einer Geburt von Säuglingen mit Untergewicht besteht. «Die Verbesserung der Mundhygiene der

schwangeren Frau ist demnach auch für das Kind wünschenswert», betont Günay.

Lesen Sie auf Seite 2, wie sich Mundbakterien auf das Baby übertragen

Auch wenn das Baby da, ist gilt: Mütter sollten keine kariösen Zähne im Mund mehr haben. Denn diese enthalten Bakterien, die auf das Baby übertragen werden, wenn die Mutter den Breilöffel oder den Schnuller ableckt, sagt Günay. Je höher die Keimbelastung in der mütterlichen Mundhöhle, desto höher ist auch das Kariesrisiko des Kindes. Das gleiche gilt natürlich auch für die Väter.

Letztlich sollte man Frauen, die eine Schwangerschaft planen, neben der pränatalen Vorsorge auch die Untersuchung ihres Zahn- und Mundgesundheitszustandes empfehlen, meint der Zahnmediziner und wünscht sich eine engere Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen, Hebammen, Kinderärzten und Zahnärzten. Eine feste Integration zahnärztlicher Vorsorgemaßnahmen im Mutterpass und Kinderuntersuchungsheft, gegeben

enfalls mit einem Bonussystem als Anreiz, könne helfen, auch Risikogruppen wie zum Beispiel sozial schwächer gestellte Frauen zu erreichen, sagt Günay.

Der Mediziner empfiehlt werdenden Müttern ein zweimaligen Zahnarztbesuch: im ersten und im letzten Drittel der Schwangerschaft. Nach der Geburt sollten Frauen mit ihrem Kindern mindestens dreimal zum Zahnarzt gehen: im 6., 18. und 24. Lebensmonat des Kindes.

Wer während der Schwangerschaft eine aufwändigere Behandlung wie eine Füllung braucht, muss keine Nachteile fürchten: Lokale Betäubungen schaden dem Nachwuchs nicht. Allerdings sind sich die Experten einig, dass aufwändigere und nicht dringende Behandlungen wie das Einsetzen von Implantaten, Zahnsteinentfernungen oder kosmetische Behandlungen lieber auf die Zeit nach der Geburt verschoben werden sollten, da sie zusätzlichen Stress für Mutter und Kind bedeuten.
 

Professor Hüsamettin Günay ist während des tnuke3/Default.aspx?alias=www.public-health.tu-dresden.de/dotnetnuke3/praevKongress" target="_blank" rel="nofollow">Präventionskongresses in Dresden für seine Forschungsarbeiten mit dem Innovationspreis der KKH-Allianz ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 12.000 Euro dotiert.

 

Quelle:

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Gesundheit News -

Präventionskongress - Kariöse Zähne schaden dem Ungeborenen


Tags: Ärzte | Aufklärung | Facharzt | Frau | Geburt | Krankheit

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