Schicksalsschlag aus heiterem Himmel

 

Schicksalsschlag aus heiterem Himmel

Es ist der Albtraum aller Eltern: Abends legen sie ihr Baby ins Bettchen und am Morgen finden sie es tot auf. Die Ursachen des plötzlichen Kindstodes stellen Ärzte und Forscher noch immer vor ein Rätsel. Und noch immer sterben jährlich rund 220 Babys im Schlaf.

Das Beunruhigende ist, dass die Babys jäh und unerwartet sterben, dass sie zuvor völlig gesund waren und dass sich auch im Nachhinein keine Erklärung für ihren Tod findet. Sudden Infant Death Syndrome, kurz SIDS, nennen Mediziner das unheimliche Phänomen, das in Deutschland noch immer verantwortlich ist für die meisten Todesfälle im ersten Lebensjahr jenseits der Neugeborenenperiode (nach der ersten Woche). «Jeder Fall ist für die betroffene Familie ein so schlimmes und einschneidendes Erlebnis, dass Eltern und auch Geschwister noch nach Jahren oder gar Jahrzehnten darunter leiden», weiß Professor Ekkehart Paditz, Vorsitzender der de/www/" target="_blank" rel="nofollow">Babyhilfe Deutschland und Leiter des Zentrums für Angewandte Prävention in Dresden.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Die Zahl der Todesfälle sinkt - 1998 waren es noch 602, 2007 starben 282 Babys. Zu verdanken ist dies verschiedenen intensiven Aufklärungskampagnen und dem Fakt, dass immer mehr gesicherte Risikofaktoren gefunden werden und immer mehr konkrete Empfehlungen, wie der plötzliche Kindstod sich verhindern lässt, die Eltern erreichen.

Gefährliche Bauchlage

Dazu zählt das Schlafen auf dem Bauch. «In der Bauchlage ist die Atmung der Säuglinge flacher und setzt schneller aus, vor allem wenn die Kinder direkt auf dem Gesicht liegen», erklärt Paditz. Auch die Seitenlage ist laut Paditz problematisch, weil Säuglinge dann nicht stabil liegen und aus dieser Position schnell in die Bauchlage rollen.

Auch das Bettzeug kann ein Risikofaktor sein. «Denn wenn das Kind unter die

Bettdecke oder das Kissen rutscht, kann dies zur Rückatmung von Kohlendioxid führen und damit möglicherweise zu einer reduzierten Sauerstoffsättigung des Blutes», warnt Paditz. Am sichersten schlafen Kinder laut dem Mediziner in der Rückenlage und in einem Schlafsack ohne zusätzliche Decke, ohne Kopfkissen und ohne Kopfbedeckung. Auf diese Weise werde verhindert, dass die Babys Decke oder Kissen über Mund oder Nase ziehen.

Das Schlafen im Schlafsack erlaubt zudem eine bessere Wärmeabgabe über den Kopf. Denn auch eine Überwärmung des kindlichen Organismus im Schlaf kann einen SIDS auslösen, wie britische Untersuchungen nahelegen. So ist gezeigt worden, dass Kinder unter stark wärmedämmenden Decken besonders gefährdet sind, und auch ein zu warmes Anziehen des Kindes sowie ein stark beheiztes Schlafzimmer können offensichtlich den plötzlichen Kindstod begünstigen.

«Deshalb sollte man Säuglinge nicht in überheizten Räumen schlafen lassen und sie nicht zu warm anziehe

n», rät Paditz. Schaffelle, Wärmeflaschen und Kuscheltiere hätten ebenfalls nichts in Kinderbetten zu suchen. Als Raumtemperatur empfiehlt der Arzt 16 bis 18 Grad Celsius, außerdem sollte das Schlafzimmer regelmäßig durchlüftet werden. Ein eigenes Kinderzimmer stehe erst nach dem ersten Geburtstag an, sagt Paditz. Bis dahin sollten die Babys im Zimmer der Eltern schlafen – allerdings nicht in deren Bett, sondern im eigenen Bettchen.

Risikofaktor Nikotin

Gefährlich für die Kinder ist auch, wenn die Eltern rauchen – egal ob während oder nach der Schwangerschaft und egal ob Mutter oder Vater. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass Kinder rauchender Eltern verstärkt gefährdet sind, an SIDS zu versterben. Als weiterer Risikofaktor stand lange Zeit das Impfen im Verdacht, weil die meisten Kinder zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat sterben - in einem Alter, in dem viele Säuglinge geimpft werden. Doch Paditz gibt Entwarnung: «Alle bishe

rigen Untersuchungen belegen genau das Gegenteil: dass nämlich Kinder, die nicht geimpft werden, ein größeres Risiko für den plötzlichen Kindstod haben. «Vermutlich liegt das daran, dass das Immunsystem durch das Impfen trainiert wird und die Kinder insgesamt aktiver sind», vermutet Paditz.

Der plötzliche Kindstod könnte dem Experten zufolge noch seltener werden, wenn alle Eltern aufgeklärt würden und die Ratschläge auch umsetzten. Um das zu erreichen, wünscht sich Paditz eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Kinderärzten, Hebammen, Erzieherinnen, Tagesmüttern und Selbsthilfegruppen. Wenn so ein tragisches Ereignis passiert, ist es nach Ansicht des Mediziners Aufgabe der Kinderärzte und Rechtsmediziner, auf Eltern zuzugehen, mit ihnen das Autopsie-Ergebnis klar zu besprechen und damit für eine grundlegende Schuldentlastung zu sorgen.

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